So läuft der Besuch in der Notdienst-Apotheke ab
Verschlossene Tür, dunkler Verkaufsraum, eine Klingel neben dem Eingang: Der erste Besuch in einer Notdienst-Apotheke wirkt oft ungewohnt. Dahinter steckt ein fester Ablauf mit klaren Regeln. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was Sie vor Ort erwartet.
Erst die richtige Apotheke finden
Nachts und an Feiertagen hat nicht jede Apotheke geöffnet. Den Dienst übernehmen wechselnde Apotheken. Nach dem ABDA-Faktenblatt (Stand: Juni 2026) leisten die Apotheken in Deutschland rund 334.000 Notdienste pro Jahr. Pro Nacht sind etwa 900 Apotheken dienstbereit und versorgen zusammen rund 20.000 Patienten.
Stehen Sie vor einer geschlossenen Apotheke, hilft der Aushang. Nach § 23 Abs. 5 der Apothekenbetriebsordnung muss jede nicht dienstbereite Apotheke an deutlich sichtbarer Stelle einen gut lesbaren Hinweis auf die nächstgelegenen dienstbereiten Apotheken anbringen. Schneller geht es oft digital oder per Telefon:
- Online über die Notdienstsuche auf aponet.de
- Vom Handy: 22 8 33 anrufen (ohne Vorwahl)
- Vom Festnetz: 0800 00 22 8 33 (kostenlos, rund um die Uhr)
Alle Suchwege im Detail erklärt unser Ratgeber zum Apothekenfinder 22833.
Warum die Tür zu ist: Klingel, Sprechanlage, Nachtdienstklappe
Auch die Notdienst-Apotheke wirkt nachts meist geschlossen. Das ist normal: Aus Sicherheitsgründen erfolgt die Abgabe von Arzneimitteln nachts in der Regel nicht im offenen Verkaufsraum, sondern über eine Schutzscheibe oder eine Abgabeklappe. So ist das Personal während der Nachtstunden geschützt.
Der Ablauf ist einfach:
- Klingeln Sie an der Notdienstklingel neben dem Eingang.
- Warten Sie einen Moment. Das Personal kann gerade andere Kunden bedienen oder im Ruheraum sein.
- Sie sprechen über die Sprechanlage oder durch die Scheibe mit dem Apothekenpersonal.
- Rezept, Gesundheitskarte und Geld reichen Sie durch die Nachtdienstklappe, das Medikament kommt auf demselben Weg zurück.
Während des gesamten Notdienstes sind Apotheken auch telefonisch erreichbar. Ein Anruf vorab kann sich lohnen, etwa um zu klären, ob ein Medikament vorrätig ist.
Beratung gibt es auch nachts
Die Klappe ändert nichts an Ihren Rechten: Apotheken müssen Patienten hinreichend über Arzneimittel informieren und beraten. Das schreibt § 20 der Apothekenbetriebsordnung vor und gilt auch im Notdienst. Stellen Sie Ihre Fragen also ruhig über die Sprechanlage, zum Beispiel zur Anwendung oder zur Aufbewahrung.
Eine Besonderheit gibt es: Im Notdienst hat die Apotheke nur Zugriff auf das eigene Lager und kann nicht wie tagsüber beim Großhandel nachbestellen. Ist ein Medikament nicht vorrätig, klärt das Apothekenteam mögliche Wege, bei verschriebenen Mitteln auch in Rücksprache mit dem Arzt. Was beim Einlösen von Verordnungen nachts gilt, lesen Sie im Ratgeber Rezept nachts einlösen.
Bezahlen im Notdienst
Für die Inanspruchnahme des Notdienstes dürfen Apotheken nach § 6 der Arzneimittelpreisverordnung einen Zuschlag von 2,50 Euro einschließlich Umsatzsteuer berechnen. Er gilt werktags von 20 bis 6 Uhr, ganztägig an Sonn- und Feiertagen sowie am 24. Dezember (wenn er auf einen Werktag fällt) bis 6 Uhr und ab 14 Uhr. Wichtig: Die Gebühr fällt nur einmal pro Besuch an, egal wie viele Rezepte oder Medikamente Sie mitnehmen. Hat der Arzt auf dem Rezept das Feld noctu angekreuzt, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse den Betrag. Alle Details dazu finden Sie im Ratgeber zur Notdienstgebühr.
Ansonsten bezahlen Sie wie tagsüber: gesetzlich Versicherte die übliche Zuzahlung, Selbstzahler den Verkaufspreis. Ob an der Nachtdienstklappe Kartenzahlung möglich ist, hängt von der Ausstattung der jeweiligen Apotheke ab. Wer sichergehen will, steckt für den Notdienstbesuch etwas Bargeld ein.
Häufige Fragen
Muss ich klingeln, wenn die Notdienst-Apotheke dunkel aussieht?
Ja. Die Notdienst-Apotheke ist dienstbereit, auch wenn Tür und Verkaufsraum geschlossen wirken. Nutzen Sie die Notdienstklingel neben dem Eingang und warten Sie kurz. Bedient werden Sie dann über Sprechanlage und Nachtdienstklappe. Öffnet niemand, rufen Sie an: Apotheken sind während des Notdienstes telefonisch erreichbar.
Was kostet der Besuch in der Notdienst-Apotheke zusätzlich?
Apotheken dürfen nach § 6 Arzneimittelpreisverordnung 2,50 Euro pro Notdienst-Besuch berechnen, unabhängig von der Zahl der Medikamente. Hat der Arzt auf dem Rezept das Feld noctu angekreuzt, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse diese Gebühr.
Was mache ich, wenn ich nachts zuerst einen Arzt brauche?
Bei Beschwerden ohne akute Lebensgefahr erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst bundesweit unter der Telefonnummer 116117. Mit dem dort ausgestellten Rezept gehen Sie anschließend zur Notdienst-Apotheke. In lebensbedrohlichen Notfällen wählen Sie den Notruf 112.
Quellen: § 23 Apothekenbetriebsordnung - Dienstbereitschaft (gesetze-im-internet.de) · § 20 Apothekenbetriebsordnung - Information und Beratung (gesetze-im-internet.de) · § 6 Arzneimittelpreisverordnung - Notdienstzuschlag (gesetze-im-internet.de) · ABDA: Faktenblatt Nacht- und Notdienst (Stand Juni 2026) · ABDA: Warum fällt in der Apotheke eine Notdienstgebühr an? · ABDA: Apotheken finden - Apothekenfinder 22 8 33 · aponet.de: Apotheken - Rund um die Uhr im (Not)Dienst · aponet.de: Notdienstgebühr in der Apotheke - das Wichtigste über den Zuschlag · Apotheken Umschau: Apotheken-Notdienst · 116117 - Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Stand: Juli 2026 · Dieser Beitrag informiert über organisatorische und rechtliche Fragen - er ersetzt keine medizinische oder pharmazeutische Beratung.